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Chromatexpertise

Chrom(VI)-Verbindungen

Chrom(VI) und seine Verbindungen (Chromate) sind krebserzeugende, teilweise als mutagene, reprotoxische und vollumfänglich umweltschädliche gefährliche Substanzen.

Einstufung

Gefahrstoffklassen

Chrom(VI) als Chromtrioxid (CrO3)

EC-Nr. 606-053-1 · CAS 18540-29-9

  • H317 kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • H350 karzinogen 1B
  • H400 sehr giftig für Wasserorganismen
  • H410 sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung

Quelle: ECHA, C&L-Verzeichnis

Calciumchromat (CaCrO4)

EC-Nr. 237-366-8 · CAS 13765-19-0

  • H302 gesundheitsschädlich bei Verschlucken
  • H350 karzinogen 1B
  • H400 sehr giftig für Wasserorganismen
  • H410 sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung

Quelle: ECHA, C&L-Verzeichnis

Natriumchromat (Na2CrO4)

EC-Nr. 231-889-5 · CAS 7775-11-3

  • H330 Lebensgefahr bei Einatmen
  • H350 karzinogen 1B
  • H340 mutagen 1B
  • H360FD repro 1B, kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, kann das Kind im Mutterleib schädigen
  • H400 sehr giftig für Wasserorganismen
  • H410 sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung

Quelle: ECHA, C&L-Verzeichnis

Chrom(VI) und seine Verbindungen gehören somit allesamt in die Kategorie der KMR-Stoffe (kanzerogen, mutagen und/oder reprotoxisch), vor allem aber einheitlich als Karzinogen 1B eingestuft.

Entstehung

Was sind Chromate?

Calciumchromat an textiler Isolierung eines BHKW

Chromate sind Salze der Chromsäure (H2CrO4). Das Chromat-Anion CrO42− hat eine gelbe Farbe und eine tetraedrische Struktur.

Die hier beschriebenen Chromate wie Calcium- oder Natriumchromat entstehen thermochemisch, durch eine Verbindung von Chrom(III)-oxid (Cr2O3), einem Alkalimetalloxid (Natriumoxid) oder Erdalkalimetalloxid (Calciumoxid) bei Temperaturen zwischen ca. 250 °C und ca. 800 °C und der Gegenwart von Sauerstoff.

Je höher der Chrom(III)-Gehalt, je höher der (Erd-)Alkalimetallgehalt und je höher die Temperatur, umso höher ist die Quote der Oxidation von Chrom(III) zu Chrom(VI).

Kommen die (erd-)alkalimetallhaltigen Dämmstoffe mit den chromhaltigen Heißteilen in Verbindung, werden insbesondere durch Vibration und thermische Belastungen (Abrieb, Verschleiß) Calciumoxid oder Natriumoxid freigesetzt und treffen bei hohen Betriebstemperaturen auf Chromoxide der Edelstahllegierungen. Im Laufe der Zeit entsteht Calcium- oder Natriumchromat, welches sich als gelbes feines Pulver zwischen Dämmstoffinnenfläche und Heißteiloberfläche absetzt oder durch Thermik im Anlagenbereich verwirbelt.

Irrtümlicherweise wurden die gelben Stäube lange Zeit für Schwefelablagerungen gehalten. Calciumchromat entsteht auch durch die Verwendung calciumhaltiger Montagepasten oder Dichtungsmaterialien an chromhaltigen Schrauben, Muttern und Flanschverbindungen.

Analytik

Die Methode entscheidet über den Befund

Die Bestimmung von Chrom(VI) ist eine Speziesanalytik. Gemessen wird ein Oxidationszustand, und dieser kann sich während der Probenvorbereitung ändern. Für thermische Dämmstoffe verschärft sich die Lage, weil die Matrix selbst der Reaktionspartner ist: calciumreich, basisch und in gebrauchtem Zustand mit Ruß, Öl und Korrosionsprodukten durchsetzt. Eine genormte Methode für diese Matrix existiert nicht; übertragene Verfahren liefern nach Angaben des damit befassten Labors Unterbefunde von 20 bis 30 Prozent in milden Fällen und Werte nahe null bei stark calciumhaltigen Proben.

Verfahren

Das SEEF-Verfahren

Das niederländische Labor SEEF B.V. hat für die Matrix Dämmstoff ein eigenes Verfahren entwickelt, das Chrom(VI) über den gesamten Analysengang stabilisiert und nach eigenen Angaben an dotierten Dämmstoffproben Wiederfindungen von strukturell über 80 Prozent erreicht.

In einer Matrix mit 16 Prozent Zink lag die Wiederfindung nach NEN 5617 bei 0,2 Prozent, bei einem weiteren akkreditierten Verfahren bei 6,5 Prozent und bei dem Verfahren von SEEF B.V. bei 35,3 Prozent.

seefbv.com

Schnelltest

Warum Schnelltests versagen

Kolorimetrische Schnelltests sind orientierende Warnverfahren. Ein positives Ergebnis ist ein belastbares Warnsignal. Aus einem negativen Ergebnis lässt sich die Abwesenheit einer Chrom(VI)-Kontamination nicht ableiten.

Die französische Feldstudie von Passeron et al. (2025) verglich die Schnelltests auf denselben Entnahmestellen mit laboranalysierten Wischproben. Am Turbolader blieb der Schnelltest negativ, das Labor fand 869 ng Chrom(VI).

Regelwerksanalyse Schnelltest und Neutralisation

Wischtest

Die laboranalysierte Wischprobe

Für die belastbare Bewertung der Oberflächenkontamination sind repräsentative Wischproben und laboranalytische Chrom(VI)-Bestimmungen erforderlich. Sie bewerten einen anderen Teil der Gefährdung als tätigkeitsbezogene Luftmessungen.

Ein positiver Befund belegt die Anwesenheit. Ein negativer Befund gilt für die geprüfte Stelle, die geprüfte Tiefe und bis zur Nachweisgrenze des Verfahrens. Nach einer Behandlung mit Kriechöl liefert die Probe keinen verwertbaren Befund; mit WD-40 lag die Wiederfindung bei 5,8 Prozent.

Französische Feldstudie, Passeron et al. (2025), Wartung von Diesel- und Schiffsmotoren
EntnahmestelleLaborbefund Cr(VI)Kolorimetrischer Schnelltest
Abgaskrümmer127 ngallenfalls schwach wahrnehmbar positiv
Turbolader869 ngnegativ
Schraube am Turboladerausgang1.646 ngpositiv

Absolute Cr(VI)-Mengen je Probe. Quellen: Die übersehene Zutat, Fachanalyse V1.11, Abschnitt 17 und Abschnitt 19