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Chrom(VI) in Verbrennungsaschen: zwei Dekontaminationseinsätze in Warschau und Krakau

Autorenbild: Markus Sommer
Markus Sommer
vor 2 Stunden
2 Min. Lesezeit

Verbrennungsaschen aus Müll- und Abfallverbrennungsanlagen enthalten Chrom(VI)-Verbindungen. Sie entstehen dort, wo chromhaltiger Stahl, basische Oxide, Sauerstoff und Temperatur zusammenkommen, und liegen nach dem Abkühlen als chromathaltige Stäube vor, die bei Wartung, Revision und Reinigung freigesetzt und verschleppt werden. Zwei Einsätze im August und September 2026 in Polen zeigen, wie sich das bei der Revision von Verbrennungsöfen darstellt und welches Schutz- und Reinigungsregime daraus folgt.



Ofentür mit chromathaltigem Staub, Warschau

In Warschau wurden vor der Revision zweier Verbrennungsöfen die Innenräume und Ofentüren mit Chrom(VI)-Schnelltests geprüft. Die Proben an Tür und Flugstaub verfärbten sich violett. Chromathaltige Stäube lagen auf allen Flächen, an Türrahmen, Sichtfenstern und Türoberseiten sowie auf dem Gerüst im Ofen.

Chrom(VI)-Schnelltests an Tür und Flugstaub, violette Verfärbung

In Krakau wurden die beiden Verbrennungsöfen einer Müllverbrennungsanlage an zwei Terminen dekontaminiert. Wisch- und Bodenproben auf den Riffelblechen des Gerüsts und am Ofenrand bestätigten chromathaltige Asche. Ziel war zweierlei: die Verschleppung der Asche in angrenzende, ungeschützte Arbeitsbereiche zu verhindern und die Chrom(VI)-Verbindungen in der Asche durch Redoxreduktion zu Chrom(III)-Verbindungen umzusetzen. Das Gefahrenpotenzial wird dadurch deutlich gesenkt, vollständig beseitigt wird es nicht.



Bodenprobe auf dem Riffelblech, Chrom(VI)-Schnelltest violett, Krakau

Beide Einsätze liefen nach demselben Verfahren. Wände, Gerüstteile und Boden wurden im Aerosolsprühverfahren mit einer wässrigen Redoxlösung (KavarClean®) flächendeckend benetzt, von oben nach unten und von hinten nach vorn, damit die Lösung ihre Einwirkzeit erhält und die Stäube gebunden werden. Danach wurden die gebundenen Stäube staubarm zusammengekehrt, in verschließbare Beutel aufgenommen und vor und nach dem Heraustragen erneut benetzt. Staubnester auf den Türoberseiten und an den Sichtfenstern wurden unter gleichzeitiger Benetzung entfernt. In Krakau war die Standzeit der Staubfilter nach der Benetzung erschöpft, so dass die Arbeit unterbrochen werden musste.



Vollgesichtsmaske mit P3-Filter und Schutzanzug vor dem Einstieg

Das Personal von Kavarmat® arbeitete in Schutzanzügen der Klasse 5/6 mit verklebten Übergängen, zwei Paar Nitrilhandschuhen, Schutzhelm und Vollgesichtsmaske mit P3-Filter. Chrom(VI)-Verbindungen sind wasserlöslich und hautresorptiv; sie lösen sich im Schweiß und werden über die Gesichtshaut aufgenommen, weshalb Halbmasken nicht ausreichen. Die Schleusung erfolgte zweistufig: Absprühen der Anzüge mit der Reduktionslösung vor dem Verlassen des Ofens und erneut außerhalb auf einer Aufsaugmatte. Helme und Vollgesichtsmasken wurden zur Weiterverwendung chromatreduziert.



Chromathaltige Asche am Ofenrand mit Probenröhrchen, Krakau

Der Arbeitsbereich war in beiden Fällen zoniert und abgesperrt. Personenbezogene Luftmessungen im Ofeninneren allein reichen für die Gefährdungsbeurteilung nicht aus. Wegen des Verwirbelungs- und Verschleppungspotenzials der Asche ist das gesamte Umfeld zu bewerten, einschließlich der Wege, auf denen Werkzeug, Kleidung und ausgebaute Teile den Arbeitsbereich verlassen. Was die Analyse „Die übersehene Zutat“ für Dämmstoffe auf chromlegierten Heißteilen beschreibt, gilt für Verbrennungsaschen in gleicher Weise: Im Lieferzustand ist kein Chromat vorhanden, es entsteht im Betrieb und wird bei der Wartung freigesetzt.

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